Langsam kommt der Frühling. Vor zwei Tagen haben die Schafe und Ziegen die Kiesgrube vollständig verlassen und sind auf ein Stück gekommen, auf dem ein paar frische, grüne Gräser wuchsen. Da waren die Tiere nach dem Umsetzen vollkommen ruhig und grasten anscheinend sehr zufrieden vor sich hin.
Mittlerweile sind die zarten Gräser aufgefressen. Anscheinend sind die Tiere auf den Geschmack gekommen. Heute sind die Schafe und Ziege aus ihrer Einzäunung ausgebrochen und haben auf dem grossen Feld verspeist, was eigentlich für später zur Verfügung stehen sollte.
Die Entscheidung, ob die Tiere auf ein neues Stück umgesetzt werden sollten, ist nicht immer einfach zu fällen. Auf der einen Seite müssen wir im Auge behalten, dass die Pflanzen genug Zeit haben sich zu erholen, deswegen dürfen wir die Tiere nicht allzu schnell umsetzen oder wir müssen die Größe der eingezäunten Stücke stark reduzieren. Gerade wenn das Wachstum der Pflanzen wieder zunimmt, sind diese empfindlich gegenüber häufigem Abgrasen.
In der Kiesgrube sah es noch nicht so aus, als ob die Wachstumsphase wieder richtig losgegangen war. Daher hätten wir die Tiere gerne etwas länger dort gelassen. Kleine Grasreste waren auf der großen Weidefläche noch vorhanden.
Auf der anderen Seite hatten die Tiere jedoch auf einem Großteil der Fläche fast alles abgegrast und teilweise lag reichlich Kot auf der Fläche. Diese Bereiche meiden die Tiere. Da unser Heulager schon stark dezimiert ist, wollten wir nicht ganze Heuballen zufüttern, sondern nur ein Minimum, damit auf jeden Fall beim Füttern etwas Raufutter zur Verfügung steht.
Darüberhinaus hatten besonders die Ziegen bereits einen Großteil der Bäume geschädigt und die Überlebenschance für diese wurde mit jedem Tag geringer. Deswegen haben wir uns entschieden, die Tiere auf das nächste Stück umzusetzen.
Langsam sind die ersten Anzeichen zu sehen, dass unsere Schafe und Ziegen trächtig sind. Gerade bei den Schafen ist dies schwer zu erkennen. Viele sehen bereits jetzt sehr rundlich aus, dies kann aber auch an dem dicken Fell liegen.
Schoki im März 2026
Letztes Jahr war Schnauzi, unser ältestes Lamm aus dem Jahr davor, sehr in die Breite gegangen, hat aber kein Lamm geboren.
Schnauzi im März 2025
Darüberhinaus trinken die Tiere deutlich mehr, auch wenn die Temperaturen in diesem Jahr bisher nicht über 14°C lagen. Heute hatten wir sogar wieder Frost. Während in den Wintermonaten nur 10-20 Liter getrunken wurden, werden zurzeit 60 Liter verbraucht.
Ein weiteres Zeichen, das auf eine bevorstehende Geburt hindeuten kann, ist, dass sich Schafe von der Herde isolieren. Das kann aber auch aus anderen Gründen vorkommen.
Schlacksi gönnt sich eine Auszeit
Bei Splitti, einer von unseren zwei Ziegen, die zum ersten Mal seit Geschlechtsreife mit einem Bock zusammengekommen sind, kann man mittlerweile deutlich erkennen, dass sich das Euter vergrößert hat. In diesem Fall sind wir uns recht sicher, dass sie trächtig ist.
Es gibt auch die Möglichkeit, die Trächtigkeit mit einer Ultraschalluntersuchung festzustellen. Dies haben wir jedoch noch nie machen lassen und hatten zum Glück bisher immer Widder bzw. Böcke, die ihre Arbeit gut geleistet haben. Dieses Jahr waren wir nicht ganz sicher, ob wieder alles gut geht, weil beide Herren recht kleinwüchsig sind. Aber anscheinend hat es trotzdem geklappt.
Der kleine weiße Ziegenbock heißt RumleDer kleine Widder auf der rechten Seite heißt Spragle
Auch wenn unser Hauptaugenmerk auf den Tieren liegt, versuchen wir in unserem kleinen Gewächshaus und im Küchengarten etwas Gemüse anzubauen. In der Frostphase Anfang Februar habe ich Paprika ausgesät. Da sowohl der Mutterboden als auch unser Sandhügel gefroren waren, habe ich als Anzuchterde nur unseren selbst kompostierten Laubkompost zur Verfügung gehabt, den ich schon im Dezember grob gesiebt hatte. Leider ist nicht eine einzige Paprika gekeimt. Dafür keimten diverse Unkräuter und langsam breitet sich eine feine Algenschicht aus.
Ich habe den Laubkompost nicht erhitzt, weil ich gehofft habe, dass sich darin über die letzten zwei Jahre viele positive Mikroben angesiedelt haben.
Gestern habe ich einen zweiten Versuch mit den Paprikasamen gestartet. Diesmal war die obere Bodenschicht aufgetaut und ich konnte die Aussaaterde aus jeweils 1/3 Laubkompost, 1/3 Maulwurfshügelerde und 1/3 Sand mischen. Das Gemisch ist dann für eine gute Stunde bei über 100 °C in den Backofen gekommen, so dass wahrscheinlich alles, was darin lebte, abgetötet wurde.
Die Erde kommt dann in kleine Papiertöpfchen, die ich selbst mit einem “Paper Pot Maker” mache.
Zunächst wird nur bis kurz unter die obere Kante gefüllt, dann die sehr trockene Erde mit Wasser aus der Dressing-Flasche nahezu gesättigt. Auf die etwas zusammengesunkene Erde werden die Samen verteilt, darauf kommt eine weitere etwa 1 cm dicke Schicht mit Erde. Diese Schicht habe ich diesmal nur mit einer Sprayflasche befeuchtet, damit die Samen nicht vollständig nass liegen und verrotten.
Das gesamte Mini-Gewächshaus kommt auf eine Wärmematte zwischen 22 °C und 25 °C und wird mit einer Pflanzenlampe beleuchtet. Täglich wird der Deckel 1-2 Stunden entfernt, damit es nicht zu feucht wird. Nach dem Belüften wird erneut besprüht.
Vor kurzem war die Welt noch vollständig weiß. Die Schafe machten sich nach dem Umsetzen über die paar Grashalme her. Zum Teil haben sie auch ihre Klauen eingesetzt, um den Schnee etwas wegzuschaben.
Die Ziegen haben sich in den Tiefschnee gewagt, da dort ein paar Brombeertriebe zum Fressen eingeladen haben.
Die nicht so wagemutigen Ziegen machten sich über die Zweige an den Birken her. Leider haben sie sich später wieder über die Rinde hergemacht. Auch die Schafe wollen gern etwas von den Zweigen abbekommen und versuchen von den Aktionen der Ziegen zu profitieren.
Gestern Abend hat Tauwetter eingesetzt und heute sieht die Welt vollständig anders aus. Auf dem derzeitigen Stück sind keine Bäume, über die wir uns Sorgen machen müssen, durch das Tauwasser ist die Erde jedoch sehr nass und es besteht die Gefahr, dass durch die Beweidung stärkere Trittschäden auftreten und die Vegetation geschwächt wird. Daher werden wir die Tiere zügiger umsetzen als ursprünglich geplant.
Heute Morgen um 7 Uhr sind drei Widder zum Schlachten abgeholt worden. Das ist immer ein trauriger Tag, weil einem die Tiere durch den täglichen Umgang recht nahe stehen.
Damit wir die Tiere nicht im Dunkeln einfangen mussten, haben wir gestern mit unseren Steckfix-Horden einen kleinen Pferch aufgebaut, in dem die drei die Nacht verbracht haben. Die Horden mussten zunächst im Schnee gesucht werden, weil wir sie nicht ordentlich weggeräumt hatten.
Schneeverwehungen haben nachts erneut große Schneemengen auf unseren Zugangsweg abgelegt. Der Tiertransporter ist, kurz nachdem er von der Hauptstraße auf unseren Landweg abgebogen ist, steckengeblieben und konnte nur mit einem Traktor herausgezogen werden. Gut, dass unsere Tiere halbwegs zahm waren. Wir konnten sie an die Leine nehmen und sind 500 m mit ihnen gelaufen. Es hat geholfen, die Widder mit einem Becher voll Pellets zu locken.
Der Transport zur Schlachterei dauerte eine knappe Stunde. Heute Nachmittag können wir schon die Felle abholen. Das macht eine gute Freundin für uns, weil wir wieder vollständig eingeschneit sind. An einigen Stellen des Weges liegen 70 cm Schnee. Wir sind wirklich froh, dass viele Menschen hier sehr hilfsbereit sind.
Wir überlegen, ob wir zukünftig die Tiere spätestens im Dezember schlachten, weil wir mit unseren Gerätschaften nicht auf die derzeitigen Wetterbedingungen eingestellt sind.
Die Schneeverwehungen machen uns sehr zu schaffen. Beim Transport von Futter, Wasser und Batterien für die Stromversorgung sind wir mit der Schubkarre ständig steckengeblieben.
Zum Glück haben wir den ATV, der bis jetzt den Weg über das Feld schafft.
Das Einsammeln des Zaunes ist auch nicht einfach, wenn er tief eingeschneit ist.
Einige wagemutige Ziegen versuchen, die Schneefelder zu überqueren, während die Schafe selbst in den eingezäunten Flächen die tiefen Schneeflächen meiden. Anscheinend hören sie bei 20–30 cm Schneehöhe auf, nach etwas Essbarem zu suchen. Vielleicht haben wir auch einfach zu viel zugefüttert.
Gestern habe ich zum letzten Mal gemolken. Eigentlich hatte ich vor, erst fünf Tage später aufzuhören. Die ersten zwei bis drei Strahlen melken wir nicht in die Flasche, da sich in denen zu viele Keime sammeln können. Außerdem kann man die Beschaffenheit der Milch sehen. Bei Bulette kam gestern zu großen Teilen eine dicke, sahneartige Substanz heraus. Das Euter war auch deutlich kleiner.
Bei Anna habe ich noch eine Minute mit der Maschine gemolken, es kamen aber nur 150 ml. Das Euter war ebenfalls nicht groß. Deswegen habe ich beschlossen, nicht weiter einzugreifen. Ich denke, Anna und Bulette schaffen es die Milchproduktion einzustellen. Bleibt zu hoffen, dass die beiden trächtig sind und wir in ca. zwei Monaten Zicklein bekommen.
Annas Milch hat auch eine viel dickflüssigere Konsistenz. Anscheinend hat bereits der Prozess begonnen, bei dem Flüssigkeit im Euter resorbiert wird. In dem Zuge soll angeblich der Anteil von Abwehrstoffen ansteigen. Die Milch werde ich deswegen nicht mehr verwerten.
Das vorletzte Mal hatte ich vor vier Tagen gemolken. Da war die Milch auch schon recht dickflüssig. Vielleicht hätte ich schon zu diesem Zeitpunkt stoppen können.
Während draußen die Welt verschneit ist, versuchen wir ein Monitoring-System aufzubauen. Wir wollen besser nachvollziehen können, was sich durch die Beweidung nach Prinzipien des holistischen Managements verändert. Leider habe wir in den letzten Jahren nicht darauf geachtet, dass die Fotos die wir gemacht haben vergleichbar sind.
Im Oktober 2020 waren wir unseren Hof gefunden und schon vor dem Kauf ein paar Bilder gemacht. Das große Feld lag schon eine zeitlang brach und war dabei zuzuwachsen.
2020
2022
2025
2021 haben wir durch einen Landwirt das Feld einmal mähen lassen. Danach haben wir mit unserem neu gekauften Schlegelmäher das Gras ein bis zweimal pro Jahr gemäht. Zusätzlich startete im Juli 2021 die Beweidung unseres Landes mit zunächst drei Schafen. Mittlerweile haben wir in der Herde 27 Tiere (21 Schafe und 6 Ziegen) und separat dazu drei Widder, die am Wochenende ihren letzten Weg antreten.
Mit gutem Willen kann man erkennen, dass die Grasdecke von 2022 bis 2025 etwas dichter geworden ist. Bei Vergrößerung des Bildes aus 2025 ist die Deckung des Bodens mit Klee zwischen den Gräsern sichtbar.
Nachdem es letzte Woche geschneit hat, liegt draußen immer noch eine durchgängige Schneedecke. Besonders unsere vier dänischen Landhühner waren anfangs nicht begeistert und haben morgens gleich auf der Hühnerleiter wieder kehrt gemacht und sind zurück ins Häuschen.
Die Temperaturen waren in den letzten Tagen immer um den Nullpunkt herum. Johnny hat es geschafft die Zaunstäbe mit dem Hammer in den Boden zu hauen, so dass wir die Schafe und Ziegen umsetzen konnten. Das gibt zwar nicht ganz so viel Ausbeute durch die Schneeschicht, aber zumindest ist die Fläche nicht allzu voll mit Kot.
Außerdem können wir etwas Heu einsparen. Die letzten Winter waren nicht so kalt, daher haben wir nicht viel gebraucht. In diesem Jahr sind nicht so viele Ballen übrig.
Wir hoffen, die restlichen Ballen reichen bis wieder Gras wächst. Sonst müssen wir noch mehr kaufen. Wir nehmen gerne die kleineren Heuballen, weil wir keine Geräte für das Handtieren haben.
Kleine Heuballen werden in Dänemark Morten Korch Baller genannt. Manchmal sind die im Frühling schon ausverkauft und wir müssen auf die großen Rundballen ausweichen.
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